Plauderei Gordy
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Altmeister der Travestie "Gordy" (Rainer Kohler) hat zusammen mit Partner "Mary" in den 80er Jahren die Travestie hoffähig gemacht.

Teile der HONEY & MOON- Show wurden speziell für Euch von "Gordy" geschrieben. Wie kam es dazu?
HONEY:  Witzig, er saß irgendwann plötzlich im Publikum, bei einem meiner Cabaret-Auftritte in Stuttgart. An diesem unverwechselbaren Lachen hab ich es im Dunkeln sofort erkannt, da brauchte ich kein Gesicht dazu sehen.

Und dann?
HONEY:  Ich hab ihn ohne jede Absprache in die Show eingebaut und dem Publikum vorgestellt. Der Spot wanderte auf ihn, er stand auf, verbeugte sich. Inmitten der Zuschauer. Frenetischer Applaus natürlich. Das war ein erhebendes Gefühl für alle, immerhin sprach damals jedes Kind von "Mary & Gordy". Als sich der Applaus wieder gelegt hatte rief er mir zu: "Jetzt wieder zur Bühne, uns sind nämlich die Ideen ausgegangen!" Klar, dass er damit den Lacher auf seiner Seite hatte - und ich Mühe, die Aufmerksamkeit der Zuschauer wieder auf die Show zu kriegen...

Kam er nach der Show in die Garderobe?
HONEY:   Schneller noch, wir standen alle noch hinter der Bühne, da kam Rainer angebraust und hat gratuliert. Es war wie wenn sich zwei alte Freunde nach langer Zeit treffen. Und es ging sofort in einen regen Austausch über, bis zum frühen Morgen. Künstlerisch lagen wir auf der gleichen Wellenlänge, da war sofort Kraft da, ohne Anlaufzeit. Danach hat mich der Rainer mit Texten und Videos und Kassetten bombardiert. Es gab Wochen, da verging kein Tag (!) ohne Post mit neuen Ideen und Gedanken. Und der Austausch war sehr kreativ.

Gab's da Mary & Gordy noch?
HONEY:  Es lief die letzte große Tour. Er hat mich oft noch kurz vor der Show angerufen, um was Neues zu besprechen. Er war nimmermüde, ich musste ihn manchmal richtig bremsen. Der Terminkalender von "Mary & Gordy" war ja voll ohne Ende. Oft haben wir uns in Flughafenrestaurants zwischen zwei Terminen getroffen und geschrieben. Damals noch ohne Computer, also haben wir drei oder vier Tische zusammengeschoben und Blätter ausgelegt... aufregende Zeit.

Was ist davon übrig geblieben?
HONEY:  Etliches davon ist in den Programmen von HONEY & MOON zu sehen. Texte haben sich natürlich verändert, vieles ist runder, vieles verfeinert, vieles neu gemacht worden. Aber Ideen und Strukturen sind manchmal noch wie damals.

Woran habt Ihr am liebsten gearbeitet?
HONEY  Rainer hatte bei der Vorbereitung zwei große Talente: Das eine waren die aktuellen Parodien. Und weil ich ein schneller und wendiger Texter bin, wollte er ständig aktuelle Songs und Stars umgeschrieben haben. Auf der anderen Seite lag seine Stärke in den Strukturen einer Show, also Ablauf und Zusammenstellung, vom einzelnen Takt bis zum Showabend! Ich hab da sehr viel gelernt. Und wenn Gedanken von ihm bis in die heutigen Programme wirken, dann sehe ich das als Art Vermächtnis.

Was war Gordys größte Stärke?
HONEY:  Keine Frage - die Komik natürlich. Schaut doch die Programme von "Mary & Gordy" an: er war irgendwie immer der liebenswerte Clown. Manchmal mit recht spitzer Zunge, aber doch immer mit dem schelmischen Lachen auf den Lippen. Bisschen erinnert mich MOON manchmal an den Rainer, vor allem bei den ruhigen Songs. Dann muss ich auf der Bühne ganz schnell wegdenken...

Rainer Kohler, Gordy, ist 1995 überraschend gestorben.
Mary tritt seither allein auf.
(Auszüge aus dem Buch: UNGESCHMINKT! von Tim Grüne)
Ein von HONEY & MOON signiertes Exemplar
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